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Rennbericht Wildstrubel by UTMB, Wild 110 2023 - Crans-Montana

Freitag, 15. September 2023


Für meinen Saisonabschluss habe ich den Wildstrubel by UTMB Wild 110k ausgewählt.


Bild 1: Startnummer Abholung

Im Juli habe ich mich noch relativ spontan entschieden, auch diesen Traillauf noch mitzunehmen und dann hier mein Saisonende zu feiern, welches genau am 1.1.2023 um 00.00Uhr mit dem Zürcher Neujahrsmarathon begann. Kurz vor dem «Sold out» habe ich mich mitte Juli eingeschrieben. Die Strecke beginnt und endet in Crans-Montana und führt einmal um den Wildstrubel herum. Oben war ich bereits mehrmals, aber die Strecke rundherum kannte ich nur zu ca. ¼. Alles andere war und ist Neuland bzw. auf mir unbekannten neuen Trails. Und die Videos und Bilder im Vorfeld machten richtig Lust auf diesen Ultratrail. Zudem winken jedem Finisher noch 4 Running Stones, die dann hilfreich sind bei der Auslosung für den UTMB. Das alles war Motivation genug, auch noch einen 3 Ultratrail über 100km innerhalb von 12 Wochen unter die Füsse zu nehmen. Nahm es als Experiment und weitere Herausforderung an. Seit dem letzten 100er (Swissalps100) sind nur gerade 4 Wochen vergangen.


Am Donnerstagabend nach der Arbeit ging ich mit meinem Kollege Dani B. hoch nach Crans-Montana, stellten dort sein Wohnmobil auf und holten unsere Startnummern ab. Hier gab es noch einen Schwatz mit Renndirektor Ryan Baumann. Mit ihm hatte ich im Vorfeld Kontakt und ich freute mich, ihn noch kurz zu treffen. Er berichtete, dass er happy sei bei der 2. Austragung des Wildstrubel by UTMB bereits 4000 Teilnehmer zu verzeichnen. Unglaublicher Erfolg für Crans-Montana und das Organisationsteam, der Lauf setzt sich in dieser Szene definitiv durch und wird zu einer richtigen Perle im Ultratrail. Verteilt auf 3 Tage werden 4 Distanzen angeboten und es hat auch Läufe für die Kleinsten. Die 3 Hauptrennen wurden live auf 3 Sprachen weltweit übertragen. Schöne Bilder die da von diesem Sport und der wunderschönen Natur gezeigt wurden.


Am Freitag morgen sind wir nach kurzer Nacht um 3.30Uhr aufgestanden. Draussen regnete es und ich checkte nochmal den Wetterbericht. Dieser sollte ziemlich schlechter sein als die Tage davor vorausgesagt wurde. Habe mich eigentlich fast gar nicht auf Regen eingestellt. Aber auch das wird gehen. Der Tag fing übrigens auch sonst «super» an. Als ich vom Etagenbett runtersteigen wollte verfehlte ich einen Tritt, fiel vom Bett herunter und landet schmerzhaft mit der Ferse auf einem Absatz. Für einen kurzen Moment dachte ich, dass war es dann für wohl für heute…


Bild 2: Start im Regen mit Dani B.

Auch sonst war das Gefühl nicht gerade Top. Einige kurze Nächte im Vorfeld, einiges um die Ohren die Tage/Wochen davor und auch bereits einige Renn-km in den Beinen. Sagen wir so, frische Beine und Batterien bei 100% fühlen sich definitiv anders an.


Nach einem kurzen Frühstück ging es dann nach draussen in den Morgenregen an den Start. Motivation war dennoch super und das ist bei so Läufen immer das wichtigste und am besten nicht von allem drum und dran beunruhigen lassen. Ich wusste, das sind die letzten km dieser Saison und mein Ziel war schlicht und einfach nur, nochmal irgendwie die Ziellinie zu überqueren.


Punkt 05.00Uhr und wurden wir (ca. 700 Teilnehmer) im Licht der Stirnlampen losgeschickt. Ich verabschiedete mich sofort von meinem Kolleg Dani B., welcher mit den ersten 50 loslief und ich bin dann wohl mit den ersten 200-300 losgestartet. Meine Strategie war für heute bis Leukerbad (km22) sicher mal sachte loszulaufen. Das hatte aber auch den Nachteil, das ich im ersten Teil Richtung Varneralpe auf den ersten Singletrails bisschen ins Stocken geraten bin. Man war eingereiht und ab und zu kurz im «Stau» aber auch das war kein Grund zur Sorge, es sollte ja noch lange genug gehen. 10min nach dem Start zog ich bereits die Regenjacke aus, es regnete nur leicht aber wir waren mehrheitlich im Wald und somit schwitzte ich auch weniger. Einzig kurz vor der Varneralpe habe ich dann wieder die Jacke angezogen, weil mit dem Wind und Nieselregen wurde es doch recht kühl da oben. Es fühlte sich aber prima an bis Leukerbad und dann folgte der steile Aufstieg zur Gemmi. Solche Abschnitte liebe ich, weil hier Stockeinsatz gefragt war. Für den Abschnitt Leukerbad-Gemmi benötigte ich rund 1h. Der leichte Regen war aber noch immer unser Begleiter bis nach Kandersteg. Aber gestört hat es trotzdem nicht. Gemmi-Kandersteg gelang mir recht gut, hier konnte ich durchgehend laufen und der Rhythmus war gut.


Kandersteg km 42 war ein erstes Zwischenziel des Rennens, bis hier fühlte ich mich prima, die Verpflegung funktionierte einwandfrei und so konnte es weitergehen. Auch das Wetter wurde besser und nun kam auch die Sonne heraus.


Der Abschnitt Kandersteg-Adelboden war landschaftlich traumhaft, auch wenn der Aufstieg zur Bunderchrinde (1200HM) ziemlich steil war. Aber ich «genoss» dieses Teilstück, auch weil jeder Meter Neuland war.

Bild 3: Aufstieg Kandersteg-Bunderchrinde

In Adelboden hatte ich wieder meinen «Dropbag» mit meinen eigenen Sachen. Wichtiger Boxenstopp nach 60km/3200HM. Neues Shirt, Strümpfe und Schuhe und richtig auftanken war gefragt. War wohl ca. 15min beim Posten um mich wieder «frisch» zu kriegen. Dann ging es weiter. Hier ging es die Piste hoch zum Chüenisbärgli, wo im Winter unsere Skicracks runter düsen. Danach kurzer Abstieg und weiter hoch via Sillerebühl nach Lenk. Es wurde zunehmend zäher. War dann froh in Lenk beim Verpflegungsposten anzukommen. Landschaftlich war der Teil auch genial. zBärner Oberland isch schööön, tatsächlich!!


Zu meiner Überraschung wartete mein Kollege Dani B. beim Posten in Lenk (km77). Er klagte über Rückenschmerzen und Muskelbeschwerden und wollte aufgeben. Ich sagte ihm, dass ich mich auch nicht mehr gut fühle und eigentlich schon ziemlich «ufe Fälgu» sei. Ich probierte ihn noch zu überzeugen, mit mir zu laufen. Er meinte hoch ginge es irgendwie aber er meinte dass er die 21km «runter» von der Wildstrubelhütte ins Ziel wohl nur noch spazieren könne und sich dass dann ewigs in die Länge ziehen würde. Ok, Lenk war der letzte Umkehrpunkt, später wird es noch komplizierter irgendwie zurück ins Wallis zu reisen. Ich überlegte es mir auch kurz. Dani hat sich entschieden, DNF.


Und was sagt mein Kopf und Körper? 35Km vor dem Saisonende aufhören? Glaube da laufe ich alles rückwärts wenn es sein muss. Junge DNF kannst sofort aus dem Kopf streichen, irgendwie geht es immer!


Aber jetzt fing der ganze «Spass» erst richtig an.


Der Abschnitt Richtung Iffigenalp war eher «flach» bzw. leicht ansteigend (ca.8km/500HM). Das Gangwerk war nicht mehr so rund wie auch schon und Tempo war alles andere als hoch. Flach brachte ich kaum noch 6min/km auf die Reihe. Aber jetzt hiess es, Schritt für Schritt. Ultratrail ist eigentlich ganz einfach...immer Tritt für Tritt, nie stoppen und irgendwann kommt die Ziellinie. Angekommen auf Iffigenalp erkundete ich mich bei den Streckenposten nach dem kommenden Abschnitt. Sah nur eine hohe Bergwand vor mir und wusste nicht genau, wo der Weg die Wand hochgehen würde. Das sollte ein richtiger Kracher werden auf die 2788m.üM gelegene Wildstrubelhütte. 1200HM verteilt auf knapp 6km, «Piece de resistance» des Wild110. Mit dem Tempo das ich noch drauf hatte, stellte ich mich auf 2h ein und das habe ich dann tatsächlich auch benötigt. Erstmals haben mich auch einige Läufer überholt, ich war schon so ziemlich am Limit bzw. lief einfach meinen Rhythmus. Im Lichte der Abendsonne und Abendrot traf ich auf der Hütte ein.


Bild 4: Abendstimmung Rawilpass beim Aufstieg Wildstrubelhütte


Das «schlimmste» ist also geschafft aber es warten noch immer 21km/400HM+/1650HM- und zum Teil technische Trailabschnitte. Es wurde kühler und ich zog das Laufpulli an und die Stirnlampe wurde auch wieder eingesetzt. Die Beine schmerzten, das wird wohl ein heftiger Muskelkater geben aber hey, in 21km ist das Ziel erreicht. Eigentlich ein «Klacks» könnte man meinen. Aber bei 5-6km/h dauert es eben doch noch lange. Geduldig habe ich die Schmerzen ausgehalten und habe mich irgendwie den Berg hinuntergekämpft, Kilometer für Kilometer. Der letzte Posten war der Lac de Zseuzier. Hier habe ich mich nochmal gut verpflegt und dann gings via Suone «Ancien Bisse du Ro» die letzten 11km Richtung Zivilisation. Was für eine Freude als ich bei den ersten Häusern eintraf, noch 2km...yess es ist bald geschafft. Der malerische See «Etang Grenon» musste auch noch umrundet werden und dann endlich, um 23.19Uhr lief ich einmal mehr überglücklich beim «Place Ycoor» über die Ziellinie!


Bild 5: Ziellinie glücklich überquert

Finisher des Wild 110 nach 18h19min K(r)ampf, was für ein schönes Gefühl!


Und was ich auch wusste, es war der 500 und letzte Rennkilometer der Saison 2023, nun habe ich es geschafft. Das ist der erhoffte und ersehnte Saisonabschluss, kein DNF sondern mit grossem Willen und Leidensbereitschaft nochmal alles gegeben und gekämpft!


Overall Platz 91, 696 Starters, 557 Finisher und weitere 4 «Running Stones» gesammelt für die Auslosung für die Startplätze des UTMB!


Bild 6: Finisher Marc Briggeler

Saison 2023 closed! Körper, Seele und wohl auch das Gangwerk freuen sich auf eine Pause.


Verfasst von: Marc Briggeler


Walliser Bote Wildstrubel by UTMB _ 19.09.2023
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